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Rund 170.000 Waldbesitzer bewirtschaften 80 % des Österreichischen Waldes. Davon sind etwa 169.000 Kleinwaldbesitzer, mit einer Fläche von weniger als 200 Hektar Wald. Diese bewirtschaften neben privaten Großbetrieben und der Österreichischen Bundesforste AG fast die Hälfte des Waldes in Österreich. In den Waldverbänden und Waldwirtschaftsgemeinschaften sind knapp 60.000 dieser Kleinwaldbesitzer organisiert und stehen für eine Erfolgsgeschichte, die in Österreich und Europa einzigartig ist.
„Small is beautiful“, dieses Motto ist in einer globalisierten Welt mittlerweile zu einem romantischen Satz geworden. Auch die Holzmärkte sind global und die Preise für unseren heimischen Rohstoff Nr. 1 werden von der globalen Nachfrage bestimmt. Die Strukturen der Holz verarbeitenden Betriebe in Österreich zeigen, dass einer eher gleichbleibenden Zahl von Waldbesitzern eine Konzentration von Holzabnehmern gegenübersteht. Gab es 1950 noch etwa 3.300 Sägebetriebe in Österreich, die 5,1 Millionen Kubikmeter Schnittholz erzeugten, so sind es heute knapp 1.200, die rund 11 Millionen Kubikmeter erzeugen. Die 40 größten Sägewerke in Österreich produzieren dabei mehr als 90 % des Schnittholzes. Ähnlich ist die Struktur der Zellstoff-, Papier- und Plattenindustrie, die an etwa 35 Standorten große Mengen an Holz verarbeitet. Gleichzeitig darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass 1950 mit gut neun Millionen Festmetern nur etwa die Hälfte des durchschnittlichen Holzeinschlages von heute getätigt wurde.
Von der Tradition in die Moderne
Dass die Holzerntemengen gegenüber dieser Zeit verdoppelt wurden, hängt auch wesentlich von der positiven Entwicklung der Waldverbände ab.
Die Vermarktungszahlen zeigen deutlich, dass sich die gemeinschaftlich vermarktete Holzmenge in den vergangenen zehn Jahren deutlich mehr als verdoppelt hat. Die Bündelung der Holzmengen, um bessere Konditionen bei den Abnehmern zu erreichen, war jedoch nicht der einzige Hintergrund bei der Entstehung von Waldwirtschaftsgemeinschaften und Waldverbänden. Waldverbände sind moderne Dienstleistungsunternehmen, die neben dem gemeinschaftlichen Verkauf des Holzes – der mit weitreichenden Garantien abgesichert ist – umfangreiche Vorteile für ihre Mitglieder bringen. Beratung, Organisation von Holzernte und Waldpflege, Unterstützung bei Förderanträgen, gemeinsame Betriebsmitteleinkäufe sowie Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen haben dazu beigetragen, dass die Waldverbände die in Österreich gelebte Familienforstwirtschaft in enger Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern optimal begleiten. Im Holzgeschäft unter globalen Einflüssen eine wichtige Unterstützung, die einen unverzichtbaren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Waldeigentümer leistet. Das zeigen die Besucherzahlen von Holzstammtischen, Waldbauerntagen, Exkursionen und anderen Veranstaltungen eindrucksvoll. Insgesamt haben mehr als 11.000 Mitglieder im vergangenen Jahr eine Veranstaltung der Waldverbände besucht.
Wenn auch die Zahl der Waldeigentümer annähernd gleich blieb, ist besonders bei den Kleinwaldbesitzern ein Strukturwandel zu verzeichnen. Waren in vergangenen Jahrzehnten Kleinwaldbesitzer hauptsächlich Landwirte, so sind heute viele ihrer Nachkommen und Erben unterschiedlich stark in der Landwirtschaft verwurzelt. Die Anzahl urbaner oder hofferner Waldbesitzer steigt. Damit wachsen die Anforderungen an die Beratung dieser „neuen“ Waldeigentümer genauso wie die Herausforderungen, diese Menschen in die Familie der Waldverbände zu integrieren.
Nicht Holz – Menschen wollen mobilisiert werden
Hinter jedem Waldbesitz stehen Menschen, die diesen bewirtschaften oder deren Eigentümer sind. Genau hier sitzt auch der Schlüssel zur Mobilisierung von Holzreserven. Der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Mobilisierung von zusätzlichen Holzmengen bei traditionellen Waldeigentümern bleibt der Holzpreis. Umso wichtiger ist eine schnelle Reaktion auf Veränderungen auf dem Holzmarkt. Ist der Preis gut, muss dies genauso schnell an die Waldbesitzer kommuniziert werden wie eine negative Marktbeeinflussung durch einen Windwurf. Neben den Marktinformationen gilt es, andere interessante Themen für Waldbesitzer zu vermitteln. Aus diesem Grund ist es ein weiterer Meilenstein der Waldverbände, dass mit Juli 2011 zum ersten Mal eine gemeinsame Mitgliederzeitung herausgegeben wurde. Damit gehört der „Waldverband aktuell“ zu den größten Zeitschriften für Waldbesitzer in Österreich.
Traditionelle land- und forstwirtschaftliche Medien erreichen „neue“ Waldeigentümer kaum, da diese selten in das Netzwerk rund um bäuerliche Interessensvertretungen eingebunden sind. Neue Wege der Kommunikation sind gefragt. Die Waldverbände haben hier schon in der Vergangenheit Schwerpunkte gesetzt, erst kürzlich in Zusammenarbeit mit der Kooperationsplattform Forst Holz Papier und proHolz Austria. In ausgewählten Tageszeitungen wurde mit einem frechen und innovativen Inserat für die „Waldprofis“ geworben, die beratend und mit ihrem Dienstleistungsangebot Waldbesitzern mit Rat und Tat bei der Bewirtschaftung ihres Waldes zur Seite stehen. In forstlichen Fachkreisen und darüber hinaus hat diese Aktion große Aufmerksamkeit erregt. Massenmedien, Internet und andere neue Medien bieten die Chance, die wachsende Gruppe der hoffernen Waldeigentümer zur aktiven Waldbewirtschaftung zu motivieren. Alle Bemühungen in diese Richtung sind jedoch sehr teuer und erfordern Fachwissen, um die Botschaften zielgruppentauglich vermitteln zu können. Die Vorteile eines bewirtschafteten Waldes stehen dabei im Vordergrund.
Holz gehört die Zukunft
Die Waldverbände setzen sich intensiv für ein vermehrtes Holzaufkommen aus den heimischen Wäldern ein. Die Österreichische Waldinventur (ÖWI) bestätigt, dass besonders im Kleinwald große Potentiale für die Hebung von Nutzungsreserven bestehen. Nach einem Jahrhundert der fossilen Rohstoffe wird nun langsam aber sicher das Jahrhundert der nachwachsenden Rohstoffe eingeläutet. Der Holzbedarf steigt in allen Bereichen der stofflichen und energetischen Verwertung. Mit steigenden Preisen für fossile Rohstoffe und Energieträger werden die natürlichen Alternativen in Form von Holz immer interessanter. Holz als CO2-neutraler Rohstoff und Energieträger hat alle positiven Eigenschaften, die für eine nachhaltigere Wirtschaft notwendig sind. Regional verfügbar, vielseitig einsetzbar, CO2-neutral und nachwachsend. Das Potenzial von Holz in seinen verschiedenen Anwendungsbereichen scheint grenzenlos. Innovative Produkte bis hin zu Textilien aus Buchenholz beweisen, dass Holz Hightech ist, und sich keinesfalls auf das altbekannte Brennholz oder den Dachstuhl beschränkt. Diese Chancen müssen vernünftig und partnerschaftlich zwischen Waldbesitzern und Holz verarbeitender Industrie genutzt werden, um die Wertschöpfung der gesamten Holzkette zu erhöhen und dem Rohstoff Holz wieder jenen Stellenwert zu geben, den er verdient.
Waldbesitzer schützen?
Doch neben den Herausforderungen, die „neue“ Waldbesitzer bieten, stehen auf europäischer Ebene zunehmend weltfremde Vorstellungen von Naturschutzkonzepten auf der Tagesordnung. Wildnisgebiete, Vernetzung und Ausweitung von bestehenden Naturschutzgebieten und völlig überzogene Konzepte zum Schutz einzelner ausgewählter Tier- und Pflanzenarten gefährden die nachhaltige und aktive Waldbewirtschaftung. Die Waldverbände bekennen sich mit Stolz dazu, dass die heute von der Gesellschaft so geschätzten Wälder und ihre Leistungen Ergebnis einer nachhaltigen Forstwirtschaft sind. Abmilderung des Klimawandels, Reduktion der CO2-Emissionen, Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien und Erhaltung sowie Förderung der Biodiversität lassen sich nicht durch den Schutz des Waldes, sondern nur durch die aktive Bewirtschaftung erreichen. Urwaldkonzepte können in einer Kulturlandschaft nicht funktionieren, da sonst die Ausgewogenheit der Waldfunktionen hinsichtlich Holznutzung, Schutz vor Naturgefahren sowie Wohlfahrts- und Erholungswirkung kippen würde. Ich bin fest davon überzeugt, dass Waldbesitzer hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können, denn Holz ist tatsächlich genial!
DI Gregor Grill |